Aktion Warnwesten für Radfahrer

1,5 Meter Abstand beim Überholen von Radfahrern


Kaum etwas stresst Radfahrer mehr, als zu dichtes Überholen durch Autofahrer. Beim letzten Radforum der Stadt war das ein großes Thema. Die Verkehrswacht Schweinfurt hat nun die Anregung des Fahrrad-Clubs ADFC aufgegriffen und bietet auffällige Radfahrer-Warnwesten an, die den Autoverkehr auf die Mindestabstandsregel von 1,50 Metern hinweisen.


Die Westen gibt es ab sofort bei der Firma cbs in der Dittelbrunner Straße und bei der Tourist-Info für eine Schutzgebühr von zwei Euro. Auch bei der Critical-Mass-Ausfahrt am Karfreitag kann man Westen bekommen.


Radfahrer haben keinen Schutz


Autofahrer sind durch die Karosse abgeschirmt, Radfahrer haben keinerlei Schutz. Deshalb sollen Autofahrer immer ausreichend Abstand zu Radfahrern halten, sagt Adi Schön, Vorsitzender der Schweinfurter Verkehrswacht und lange Jahre Polizeibeamter.


Was ist ausreichend? Schön verweist hier auf Paragraf 5 der Straßenverkehrsordnung, der besagt: „Wer zum Überholen ausscheren will, muss sich so verhalten, dass eine Gefährdung des nachfolgenden Verkehrs ausgeschlossen ist. Beim Überholen muss ein ausreichender Seitenabstand insbesondere zu Radfahrern eingehalten werden.“ Mehrere Gerichte haben einen Mindestabstand von eineinhalb Metern als „ausreichend“ beurteilt. Bei schlechten Wetter- oder Fahrbahnverhältnissen muss eine größere Lücke gelassen werden.


Polizei: Überholen nicht um jeden Preis


Die Aktion wird von der Stadt und der Schweinfurter Polizei unterstützt. Sich gegenseitig zu respektieren nannte ihr Chef Martin Wilhelm das A und O im Straßenverkehr. Die Sicherheit sei dabei immer durch eine konkrete Situation und die handelnden Akteure bestimmt. Radfahrer etwa sollten sich – der Wetterlage angepasst – auffällig kleiden. Zu empfehlen sei immer auch, einen Helm zu tragen.


Beim Sicherheitsabstand wiederum sei zuvorderst der Autofahrer gefordert, von dem sich Wilhelm beim Überholvorgang eine grundsätzliche Zurückhaltung wünscht. „Der Verkehrsraum ist irgendwann mal erschöpft, dann darf ich als Autofahrer halt nicht mehr überholen“, sagte er. Polizei-Verkehrsexperte Edgar Weiß empfiehlt Radfahrern, sich möglichst nicht ganz rechts am Fahrbandrand zu bewegen, weil das dem nachfolgenden Autoverkehr suggeriert, dass er ausreichend Platz zum Überholen hat. Folge: Überholt werden kann – Mindestabstand von 1,5 Meter – nur, wenn kein Gegenverkehr besteht.


Verunglückte Radfahrer fast immer verletzt


Die Zahl der Fahrradunfälle auf Stadtgebiet sinkt nach einem Ausreißer 2015 mit 145 Unfällen in den letzten beiden Jahren kontinuierlich, 2017 auf 112. Aber: Fast immer wird der verunglückte Radfahrer auch verletzt, 2017 waren das 90 der verunglückten 112 Radfahrer, 13 trugen schwere Verletzungen davon. Zu einem Todesfall kam es seit 2011 zum Glück nicht. Aber: In ungefähr der Hälfte der Fälle trugen die Radfahrer auch eine Mitschuld, am meisten, weil sie auf der falsche Seite eines Radwegs unterwegs waren.


Fahrradunfälle, bei denen der nicht eingehaltene Abstand die Ursache war, gab es 2015 zwei, 2016 dann schon drei und letztes Jahr vier. Die Tendenz ist also steigend. Gleichwohl: Die Aktion der Verkehrswacht soll eben auch den gegenseitigen Respekt zwischen dem stärkeren Autofahrer und den im Straßenverkehr nun mal schwächeren Radfahrern fördern.


Warnwesten ab sofort erhältlich


Schön verwies auch auf die steigende Zahl von Fahrradstreifen. Dadurch rückten die Radfahrer wie gewünscht zwar mehr ins Blickfeld des Autofahrers, ihm aber auch mehr auf die Pelle. Den angemessenen Abstand zu halten, sei deshalb umso wichtiger geworden. Wer Westen haben oder sich an der Aktion beteiligen will, meldet sich unter email@verkehrswacht-schweinfurt.de


(Quelle: Text und Bild Hannes Helferich, Schweinfurter Tagblatt)